Verhaltensregeln bei einer Pilzvergiftung

Inhalte der dieser Seite:

  • Notfallkontakte

  • Was tun bei Verdacht auf Pilzvergiftungen?

  • Sofortmaßnahmen
  • unechte Pilzvergiftungen
  • Prävention – Vorbeugen von Pilzvergiftungen


Notfallkontakte:

Liste der Giftnotrufzentralen und Giftinformationszentren in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Liste geprüfter Pilzsachverständige der DGfM

Notruf 112


Was tun bei Verdacht auf Pilzvergiftung?

Manchmal kommt Unsicherheit auf: War der Pilz wirklich essbar? Oder treten sogar Symptome auf, die eine Vergiftung vermuten lassen?
In solchen Situationen ist es entscheidend, keine weiteren Fehler zu machen und besonnen zu handeln.

Im Folgenden findest du grundsätzliche Informationen und Ratschläge, die dir helfen, richtig zu reagieren.

Die Hinweise wurden vom Fachausschuss Pilzverwertung und Toxikologie der DGfM zusammengestellt.


Wichtig zu wissen

  • Die Richtlinien gelten für alle Personen, die an der Pilzmahlzeit teilgenommen haben.

  • Ziel ist es, im Ernstfall schnell und korrekt zu handeln, um Risiken zu minimieren.

Pilzvergiftung – Sofortmaßnahmen

Bei Verdacht auf eine Pilzvergiftung zählt jede Minute. Wichtig ist, die richtigen Schritte einzuhalten und keine eigenen Experimente zu starten – die Behandlung übernehmen Fachleute aus Medizin, Toxikologie und Mykologie.

 

Schritt für Schritt handeln

 

1. Ärztliche Hilfe

  • Bei schweren Symptomen sofort den Rettungsdienst rufen (Tel. 112) und Krankenhausaufnahme veranlassen.
  • Bei leichten Symptomen oder Unsicherheit den Giftnotruf kontaktieren.

2. Pilzreste sichern

  • Putzreste, Speisereste oder Erbrochenes aufbewahren und dem Arzt/Rettungsdienst mitgeben.
  • Fotos vom Sammelgut sind ebenfalls hilfreich.
  • So können Pilzsachverständige die Art bestimmen und Ärzte gezielt behandeln.

3. Patient beruhigen

  • Ruhe bewahren und auch andere Beteiligte beruhigen.
  • Keine Zeit verlieren
  • Keine eigene Ursachenforschung über Internet oder Apps starten.

4. Weitere Betroffene informieren

  • Alle Personen, die an der Pilzmahlzeit teilgenommen haben, müssen informiert werden.
  • Keine Hausmittel anwenden
  • Ohne ärztliche Anweisung nichts essen oder trinken lassen.
  • Kein Erbrechen auslösen, keine Milch, kein Salzwasser – Hausmittel sind hier fehl am Platz.

Was sind unechte Pilzvergiftungen?

Wesentlich häufiger als echte Pilzvergiftungen treten die sogenannten unechten Pilzvergiftungen auf. Dabei handelt es sich um Beschwerden, die nicht durch klassische Giftpilze entstehen, sondern nach dem Verzehr von Speisepilzen auftreten. Auch diese Fälle dürfen keinesfalls verharmlost werden – sie können schwerwiegende Symptome bis hin zu Todesfällen verursachen.
Die wichtigsten Ursachen und Formen:

 

Verdorbene Pilze

  • Pilze verderben schnell: Schimmel, Bakterien, Wurmbefall oder unsachgemäße Lagerung machen sie giftig. Besonders bei feuchtem Wetter sind Maronenröhrlinge, Rotfüße und Ziegenlippen anfällig.
  • Auch bereits zubereitete, ungekühlt gelagerte Pilze können gefährlich werden. Hier entstehen giftige Stoffwechselprodukte – vergleichbar mit einer Lebensmittelvergiftung.

Übermäßiger Genuss

  • Pilze sind schwer verdaulich und sollten als Genussmittel in Maßen verzehrt werden. Große Mengen können bei empfindlichen Personen zu Verdauungsproblemen führen.

Rohe oder unzureichend gegarte Pilze

  • Viele Pilze enthalten hitzeempfindliche Giftstoffe, die erst durch gründliches Kochen zerstört werden.
  • Vom Verzehr roher Pilze wird grundsätzlich abgeraten.

Allergien und Intoleranzen

  • Wie bei anderen Lebensmitteln können auch Pilze allergische Reaktionen auslösen – von Hautausschlägen und Durchfall bis hin zu Asthma oder Kreislaufproblemen.

Angstreaktionen

  • Manchmal sind die Symptome rein psychischer Natur: Betroffene glauben, giftige Pilze gegessen zu haben, und entwickeln Magen-Darm-Beschwerden, Angstgefühle oder Herzrasen.

Spezielle Syndrome

Prävention – Vorbeugen von Pilzvergiftungen

Pilze sind faszinierend – aber beim Sammeln und Verzehr gilt es, einige wichtige Regeln zu beachten.

 

Esse keine Pilze, die du nicht kennst

  • Es gibt keine zuverlässigen Methoden (z. B. Knoblauch, Silberlöffel, Hausrezepte), um Giftpilze zu erkennen.

  • Auch von Tieren angefressene Pilze können für Menschen giftig sein.

  • Selbst langes Kochen zerstört nicht alle Pilzgifte.

  • Verlasse dich nicht auf Apps oder „selbsternannte“ Pilzkenner – wende dich an einen geprüften Pilzsachverständigen.


Esse keine alten oder verdorbenen Pilze

  • Sammle Pilze nur in luftigen Körben oder Gefäßen – keine Plastiktüten.

  • Lass zu alte, madige, angeschimmelte oder sehr junge Pilze stehen – junge Pilze sind oft schwer zu bestimmen.

  • Achte beim Einkauf von Zuchtpilzen auf Frische und gutes Aussehen – ein Sonderpreis ist nicht immer ein Schnäppchen.

  • Die Verbraucherschutztafeln der DGfM helfen bei der Beurteilung der Qualität von Marktpilzen.

  • Pilze nur wenige Tage im Kühlschrank lagern.


Achte auf Zubereitung und Menge

  • Keine rohen Pilze essen – mindestens 15 Minuten bei 70 °C erhitzen.

  • Nur wenige Arten (z. B. Zuchtchampignons, Steinpilze) sind roh in kleinen Mengen verträglich.

  • Große Portionen vermeiden – Pilze sind schwer verdaulich.


Erweitere dein Pilzwissen

  • Nutze aktuelle Bestimmungsliteratur – alte Pilzbücher sind oft überholt.

  • Besuche Pilz-Exkursionen und Seminare.

  • Nutze Pilzberatungsstellen.

  • Engagiere dich in Pilzvereinen oder Arbeitsgruppen.